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Seminar zur Lehramtsausbildung „Strategien gegen Rassismus und Antisemitismus in Schule und Unterricht“ (2. Modul)

Dezember 12 @ 9:00 am - 5:00 pm

Seminar zur Lehramtsausbildung „Strategien gegen Rassismus und Antisemitismus in Schule und Unterricht“

Daten: 
1. Modul: 09.12.2022, 09:00 – 17:00 Uhr
2. Modul: 12.12.2022, 09:00 – 17:00 Uhr
3. Modul: 10.01.2022, 09:00 – 17.00 Uhr

Ort: Präsenzveranstaltung in den Räumen des Kompetenzzentrums in Berlin

Anmeldung: Lehramtsstudierende der Universität Potsdam können sich vom 04.10. – 10.11.2022 über das Studienorganisationsportal PULS für das Blockseminar anmelden.

In der Schule ist Antisemitismus meistens nur dann Thema, wenn es um den Nationalsozialismus geht. Aus den Erfahrungen von Betroffenen und einschlägigen Studien wissen wir aber, dass Antisemitismus Teil des Schulalltags ist. Vor diesem Hintergrund stehen im ersten Modul am 9.12.22 des dreiteiligen Blockseminars aktuelle Studien und die Orientierung im Feld im Vordergrund. Das zweite Modul am 12.12.22 wird sich mit dem pädagogischen Handeln im Umgang mit Antisemitismus beschäftigen. Zum Abschluss der Reihe werden im dritten Modul am 10.01.22 Intervention und Schulentwicklung in den Blick genommen.

1. Modul: Aktuelle Studien und Orientierung im Feld 

Antisemitismus der Gegenwartsgesellschaft äußert sich in vielfältigen Formen, von stereotypisierenden Darstellungen von Jüdinnen*Juden bis zu verbaler und physischer Gewalt. Dominant sind in der gegenwärtigen Antisemitismusforschung aber nach wie vor Ansätze aus der Vorurteilsforschung, die Antisemitismus als ein individuelles Einstellungsmuster konzeptualisieren. Allzu häufig fehlen in der Forschung auch die Erfahrungen und Einschätzungen von Jüdinnen*Juden, aber auch Deutungen und Umgangsweisen von Lehrkräften wurden bislang wenig erforscht. Erst in den letzten Jahren fanden diese Perspektiven vermehrt Eingang in die Antisemitismusforschung. Die gerade veröffentlichte Studie zum Thema „Antisemitismus im Kontext Schule – Deutungen und Umgangsweisen von Lehrer*innen an Berliner Schulen“ vom Kompetenzzentrum (Chernivsky/Lorenz 2020) befasst sich mit der Frage, wie Antisemitismus an Schulen in Erscheinung tritt und durch Lehrer*innen sowie Schulleitungen wahrgenommen, eingeordnet und bearbeitet wird. Eine weitere Studie (Chernivsky/Lorenz/Schweitzer 2020; vgl. Bernstein 2018 u. 2020) befasst sich mit Perspektiven auf Antisemitismus von Jüdinnen*Juden im jungen Erwachsenenalter sowie in den Familien. Das erste Modul gibt einen Überblick über die gegenwärtige Forschungslandschaft und thematisiert Leerstellen in der Erfassung jüdischer Perspektiven auf Antisemitismus anhand der Auseinandersetzung mit aktuellen Studien aus der Antisemitismusforschung.

2. Modul: Pädagogisches Handeln im Umgang mit Antisemitismus

Antisemitismus tritt als gewaltförmige Struktur in der gesamten Gesellschaft zu Tage und manifestiert sich als solche tagtäglich in unterschiedlichen Erscheinungsformen. In der Schule, so zeigen es aktuelle Studien (vgl. Chernivsky/Lorenz/Schweitzer 2020; vgl. Bernstein 2018 u. 2020) offenbart sich Antisemitismus als systemische Herausforderung und bleibt dennoch oftmals unbearbeitet. Ein professioneller Umgang im pädagogischen Feld muss daher mehr umfassen als eine schüler*innenzentrierte Problematisierung. Leitend für das pädagogische Handeln im Umgang mit Antisemitismus sollte vielmehr ein selbstreflexiver Zugang sein, der stets die Perspektive Betroffener miteinbezieht. Ein solches Verständnis von Antisemitismus umfasst eine Reflexion der eigenen Involviertheit ebenso, wie die der gesellschaftsstrukturierenden Funktionsweise des Antisemitismus.

Das eintägige Modul bietet den Seminar-Teilnehmer*innen die Möglichkeit, dominanzgesellschaftliche Perspektiven auf Antisemitismus zu dekonstruieren, um derart andere Handlungsmöglichkeiten im pädagogischen Raum zu eröffnen.

3. Modul: Intervention und Schulentwicklung

Der Umgang mit systemischem Antisemitismus an der Schule muss aufgrund seiner partikularen Funktionen und Wirkungen für und in einer postnationalsozialistischen und post-Shoah Gesellschaft phänomenspezifisch reflektiert und eingeübt werden. Gesellschaftliche Traditionslinien wie etwa die Dethematisierung und Distanzierung von Antisemitismus als Herausforderung der Gegenwart entfalten sich auch in der Schule und stehen wirksamen Interventionen von Lehrkräften häufig im Wege. Als sozialer Raum ist Schule aber auch in andere Differenz- und Dominanzverhältnisse eingebettet. Neben antisemitischen Vorfällen gehören auch Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung auch dort zum Alltag. Hier besteht u. a. ein Widerspruch zu zahlreichen menschen- und kinderrechtlichen Verpflichtungen, die auch Teil vieler Schulgesetze sind und nicht zuletzt zu den pädagogischen und moralischen Ansprüchen, denen sich Lehrkräfte und Schulleitungen verschrieben haben. Antisemitismus-, Rassismus- und Diskriminierungskritik müssen sich in Schulentwicklungsprozessen abbilden, um strukturelle Ungleichheit abzubauen und die demokratische Teilhabe aller innerhalb des Systems Schule Beteiligten, allen voran Schüler*innen, zu ermöglichen.

Die Seminarreihe wird in Kooperation mit der Universität Potsdam umgesetzt.

Referent*innen:
1. Modul: Marina Chernivsky und Alexander Vasmer, Kompetenzzentrum
2. und 3. Modul: Romina Wiegemann und Alexander Vasmer, Kompetenzzentrum

Details

Datum:
Dezember 12
Zeit:
9:00 am - 5:00 pm