#Debattencheck

Streitraum Antisemitismusdebatte

Am Abend des 5. Juli 2017 fanden sich auf Einladung des Kompetenzzentrums für Prävention und Empowerment der ZWST 25 diskutierfreudige Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem Fachgespräch ein, um mit der Bloggerin Juna Grossmann, der Schriftstellerin und Journalistin Mirna Funk und der Medienwissenschaftlerin und Mitherausgeberin der Zeitschrift "Jalta - Positionen zur jüdischen Gegenwart" Lea Wohl von Haselberg in den Austausch über eine aktuelle Diskussion über Antisemitismus zu treten, die aufgrund der Kontroverse um die Fernseh-Dokumentation "Auserwählt und ausgegrenzt - Der Hass auf Juden in Europa“ ausgelöst worden war. Marina Chernivsky, Psychologin und Leiterin des Kompetenzzentrums, moderierte das Gespräch. Es wurde deutlich, dass es insbesondere die Diskussionssendung im Anschluss an die Ausstrahlung des erwähnten Films war, die viele, insbesondere jüdische Menschen, tief betroffen zurückgelassen hatte. Gemeinsam mit den Gästen auf dem Podium und im Publikum unterzog das Kompetenzzentrum eben diese Diskussionssendung einem kritischen „Debattencheck“ und thematisierte u. a. folgende Aspekte: Die TV-Sendung, die sich der Frage „Gibt es einen neuen Antisemitismus?“ widmen wollte, verkam alleine mit Blick auf die geladenen Diskutant*innen zu einer Scheindebatte, in der nicht nur laufend „vertraute“ Ressentiments reproduziert wurden, sondern auch jene Symptome fassbar wurden, die beim Sprechen über Antisemitismus häufig auftreten: Verharmlosung aktueller antisemitischer Tendenzen, Empathieverweigerung sowie die Entpersonalisierung der von Antisemitismus Betroffenen. Obwohl diese Muster keine neuen Erscheinungen sind, kennzeichnete diese jüngste Darbietung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen für viele jüdische Menschen einen Einschnitt, dem das Kompetenzzentrum mit der Schaffung dieses Gesprächsraumes entgegentreten wollte. Das Feedback zu der Veranstaltung, die eine emotionale wie konstruktive Debatte ermöglichte, zeigte, wie wichtig diese Räume sind. Dem Kompetenzzentrum ist es ein großes Anliegen, diese weiterhin zu ermöglichen.